Liebe Leser,
Am 9. Mai 2026 findet wieder das traditionelle Schützenfest in Strehla statt. Damit wird ein langer Brauch fortgesetzt. Sie alle sind herzlich eingeladen, am Vereinsschießen, an der Stadtmeisterschaft oder am Adlerschießen teilzunehmen. Jugendliche erhalten einen Einblick in die Nachwuchsarbeit der Sportschützen. Natürlich wird auch in diesem Jahr der Schützenkönig gewählt. Und für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt.
Oftmals stelle ich fest, dass die Arbeit unserer Schützengilde etwas „unter dem Radar läuft“. Lassen Sie mich daher kurz einen historischen Abriss nachzeichnen. Schützenbruderschaften und -feste haben in Deutschland eine lange Tradition. Sie zählen zu den ältesten Vereinen in unserem Land. In ihrer heutigen Form entstanden diese zumeist ab dem frühen 19. Jahrhundert in Folge der napoleonischen Kriege. So wurde die Strehlaer Schützengilde 1861, vor nunmehr 165 Jahren, gegründet. Ihr eigentlicher Ursprung geht aber vielfach noch weiter, nämlich auf die Bedürfnisse spätmittelalterlicher Städte, zurück. Oftmals bedeuteten Raubzüge, Fehden oder kriegerische Handlungen, dass die städtische Bevölkerung ohne Beistand schutzlos den Angreifern ausgesetzt gewesen war. Es bestand ein hohes Interesse der Bevölkerung, die Selbstverteidigung solange aufrechtzuerhalten, bis professionelle, militärische Hilfe eintreffen konnte. Die Einwohner, zumeist Männer, wurden daher in ihren Fähigkeiten zum Bedienen der vorhandenen Geräte, später der Waffen, geschult und ausgebildet. Schützenfeste zeigten den Stand der Fertigkeiten. Mitglieder waren oftmals Kriegsveteranen, später aber auch breite Teile der Bürgerschaft. Im Zeitverlauf trat ein Wandel hin zum Brauchtum und später zur Sportart ein. Die Vereine übernahmen, neben der Traditionspflege, zunehmend soziale und zeitweise auch politische Funktionen. Nach dem I. Weltkrieg schwächten sich die Bedeutung und der Einfluss der Schützenvereine für das gemeindliche Leben ab. Es wurden parallele, staatliche Strukturen geschaffen. Nach der Kapitulation der Wehrmacht verboten die alliierten Siegermächte die Schützenvereine als uniformierte Waffenträger. Der Schießsport konnte nur noch in staatlichen Sportorganisationen wie dem DTSB (Deutscher Turn- und Sportbund) und der GST (Gesellschaft für Sport und Technik) ausgeübt werden. Nach der Wende kam zu Wieder- und Neugründungen der Schützenvereine und zur Verlagerung des Sportes in diese Struktur. Konnte ich Ihr Interesse wecken? Dann freue ich mich auf ein Wiedersehen zum diesjährigen Schützenfest!
Hohes Interesse zeigte sich auch bei der Einwohnerversammlung zum Thema Freiflächenphotovoltaik. Der Dialog der Bürgerschaft war wertvoll und zeigt, dass es gelingen muss, mögliche Projekte zusammen mit dem Vorhabenträgern viel früher in der Öffentlichkeit zu kommunizieren! Das ist nicht immer einfach. Vielfach sind sich insbesondere die Investoren unsicher, wann, mit welchem Wissensstand, mit wem und in welchem Format man mit dem Menschen reden sollte. Hier ist es uns bislang nicht gelungen, eine Blaupause zu entwickeln. Die Zusammenkunft am 26. März 2026 zeigte die Interessenvielfalt. Einerseits befürchten insbesondere die unmittelbar betroffenen Anwohner Nachteile für den Grundstückswert, den Erholungswert, die Einschränkung des freien, ungetrübten Blickes und die Natur. Andererseits wird argumentiert, dass das Areal eine natürliche Aufwertung erfahre, da weder extensive noch intensive Landwirtschaft so in der Lage seien, etwas für die Artvielfalt beizutragen, wie anzulegende Wiesen oder Weiden auf dem Solarareal oder der Heckensichtschutz davor. Auch wurde kritisch thematisiert, dass ein Teil der Fläche auf einer ehemaligen Abfall- / Haldenfläche liege, auf der man derzeit trotzdem Landwirtschaft betreibe und Lebensmittel anbaue. Weitere Themenpunkte waren die Finanzlage der Stadt und das Thema Windenergie in Paußnitz.
Letzteres war auch Thema in der letzten Sitzung des Stadtrates der Stadt Strehla. Dieser hatte über das Einvernehmen der Stadt zum baulichen Einvernehmen für sogenannte privilegierte Vorhaben im Außenbereich, darunter zählen Anlagen zur Windenergieerzeugung, nach § 36 BauGB zu befinden. Es ging lediglich um das baurechtliche Einvernehmen, nicht um die Genehmigung zum Antrag auf immissionsschutzrechtliche Genehmigung. Letzteres obliegt dem Landratsamt. Der Stadtrat entschied sich mehrheitlich gegen die Erteilung des Einvernehmens. Entsprechende Stellungnahmen sind bereits zugestellt worden. Ob damit tatsächlich die Windkraft verhindert werden kann, ist allerdings fraglich. Zum einen ist es im Bereich des Möglichen, dass das Landratsamt Meißen das nichtgegebene Einvernehmen zum Bauantrag ersetzt. Zum anderen sind aufgrund der Privilegierung der Windkraftanlagen im Außenbereich die Chancen eher gering, dass das Landratsamt eine abschlägige Entscheidung zum immissionsschutzrechtlichen Antrag auf Genehmigung der Windräder erteilt. Seitens der Stadt haben wir aber in der Stellungnahme gefordert, dass ein Wechsel der Art der Beteiligung zum förmlichen Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung und Umweltverträglichkeitsprüfung vollzogen wird.
Wir werden sehen, was der Mai noch bringen wird. Vielleicht sehen wir uns demnächst zu Himmelfahrt oder zum traditionellen Pfingstbiergarten in der Stadtkirche in Strehla.
Ihr
Jörg Jeromin
Bürgermeister
Positionspapier der Stadt Strehla - Die Spaltung zwischen Stadt und Land durch Stärkung des ländlichen Raumes überwinden
Sehr geehrte Damen und Herren,
zu Recht rückte mit der Kabinettsumbildung der ländliche Raum in den Fokus eines ganzen Bündels von Maßnahmen. Sorge bereitet uns das weitere Auseinanderdriften zwischen Stadt und Land, welches sich zunehmend auch in den Köpfen verankert und als gegeben hingenommen wird. Diese Tendenz gefährdet die nachhaltige Entwicklung des gesamten Freistaates und den Zusammenhalt der Menschen. Der ländliche Raum droht, unter die Räder zu kommen.
Die Vertreter der Stadt Strehla formulierten daher das Positionspapier Regionalplanung, zentralörtliche Funktion und kommunaler Finanzausgleich. Wir nutzen den frischen Schwung der Debatte, um zu einer sachlichen Diskussion und zur Verbesserung der Problemlage beizutragen. Das Positionspapier wurde in der Sitzung des Stadtrates der Stadt Strehla am 19. Februar 2019 einstimmig beschlossen.
Gern sind wir bereit, unsere Anregungen und Beobachtungen mit Vertretern und Verantwortlichen aus der Bürgerschaft, aus der Verwaltung, aus der Wirtschaft, aus den Spitzenverbänden oder aus der Politik zu erörtern.
Das Positionspapier plus Anlagen finden sie unten als Downloadlink.
Mit freundlichen Grüßen
Stadt Strehla
Jörg Jeromin
Bürgermeister
Positionspapier der Stadt Strehla